Archäologie: Wie Pflüge Ackerkunst erzeugen

Über eine rätselhafte Entdeckung bei einer Radtour



Wiesbaden – „Was liegt denn da?“ dachte sich der Hobby-Archäologe E. P. während einer Radtour auf Feldwegen in Nähe seines Wohnortes in Hessen. Er hat seit vielen Jahren die Angewohnheit, wenn er an Äckern vorbeikommt, abzusteigen, um nach etwaigen archäologischen Funden Ausschau zu halten. Dabei hatte er allerdings noch nie etwas entdeckt. Weder Tonscherben noch Steinwerkzeuge und schon gar keine Bronzeschwerter.

Diesmal erblickte E. P. aber ein Objekt, das seine Fantasie beflügelte. Am Rand des Ackers sah er eine Art Kieselstein mit dunkelbraunen und dunkelroten Linien auf mehreren Seiten. Auf einer Seite glaubte E. P. ein Säugetier mit Ohren zu erkennen, auf einer anderen Fläche eine abstrakte Menschenfigur und an einer der schmalen Kanten einen Vogel mit weit aufgerissenem Schnabel. Alles Motive, wie sie ähnlich von Jägern in der Altsteinzeit geschaffen wurden.



Kurzentschlossen packte E. P. den mit bunten Linien überzogenen Stein in eine Plastiktüte, die er immer auf dem Gepäckträger seines Fahrrades mitführt. Zuhause wusch er den Stein vorsichtig mit kaltem Leitungswasser, trocknete ihn ab, maß ihn (Länge 12 cm, Breite 8 cm, Dicke 5,5 cm) und fotografierte ihn von allen Seiten mit einer Digitalkamera.

In den nächsten Tagen sah sich E. P. immer wieder den Stein mit den bunten Linien sorgfältig an, verglich die Motive mit Abbildungen in der Literatur und entschloss sich dann, einen ihm bekannten freundlichen Archäologen um Rat zu fragen. E. P. informierte diesen Archäologen per E-Mail über seinen rätselhaften Fund und fügte im Anhang Fotos bei.



Zur großen Freunde von E. P. erhielt er schon am nächsten Morgen eine Antwort von dem rund 100 Kilometer entfernten Experten. Was dieser ihm über den vermeintlich „bemalten Kiesel mit Motiven aus der Steinzeit“ schrieb, klang sehr logisch, jedoch enttäuschend:

„Bei dem Stein handelt es sich wohl um ein Quarzitgeröll, das länger auf der Ackeroberfläche gelegen hat. Durch das ständige Bearbeiten des Ackers mit Pflug, Egge usw. schlug das Geröll immer wieder an die metallenen Ackergeräte. Der geringe, lineare Abrieb von Eisen auf der Oberfläche korrodierte schnell und ergab die rostbraunen linearen, wechselseitigen Spuren auf dem Geröll.“

Der Archäologe schloss mit den Worten: „Ein Phänomen, das überall auf beackerten Geländeflächen zu finden ist. Es lassen sich auf vielen Steinen unterschiedliche Korrosionsspuren des Eisen-Abriebs nachweisen, von ganz frisch metallisch glänzend bis tief rotbraun. Insofern schon irgendwie ein „Artefakt“.“

Nach dieser prompten und kompetenten Antwort zog E. P. voller Respekt den Hut, den er gar nicht auf hatte, vor dem sachkundigen Archäologen. Außerdem beschloss er, wenn er tatsächlich mal zufällig etwas Seltenes und Wertvolles entdecken sollte, wieder diesen freundlichen Experten zu fragen.


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